Ba-Rock-Oper “Rinaldo”

  • Authentische Barockklänge treffen im `Immling Ba-Rock` auf moderne Rockelemente (Foto Verena von Kerssenbrock)
    Authentische Barockklänge treffen im "Immling Ba-Rock" auf moderne Rockelemente

    Festspiele Immling / Verena von Kerssenbrock

Musik aus einer längst vergangenen Epoche kombiniert mit modernen Rockelementen? Seit einigen Jahren erfreut sich der „Immling Ba-Rock“ stetig wachsender Beliebtheit. Am kommenden Samstag, 23. Juli feiert nun die diesjährige Ba-Rock-Oper „Rinaldo“ Premiere. Ein Gespräch mit der musikalischen Leiterin Cornelia von Kerssenbrock und Regisseur Ludwig Baumann zum Konzept des „Immling Ba-Rock“ und der diesjährigen Produktion.

Seit dem Startschuss im Jahr 2010 kann der Immling BaRock jährlich wachsende Besucherzahlen verzeichnen. Wie erklären Sie sich diesen immensen Erfolg?

Ludwig Baumann: Barockopern handeln von universalen Themen, die sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder wiederholen und relativ einfach in unsere Zeit adaptierbar sind:  Mord, Eifersucht, Liebe, Krieg, Macht… Interessanterweise gibt es hier keine Unterschiede über die Jahrhunderte hinweg – alle Gefühle, die in der heutigen Zeit zwischenmenschlich stattfinden, gab es damals auch schon. Insofern sind Barockopern nichts Antiquiertes, sondern etwas absolut Heutiges, mit dem man die Zuschauer ansprechen kann.

Cornelia von Kerssenbrock: Was uns sehr wichtig ist, ist die Vermittlung von Barockmusik, gerade auch an ein junges Publikum. Die Musik dieser Epoche führt ja eher ein Nischendasein. Ich glaube, dass man mit unserem „Immling Ba-Rock“ den Menschen zeigen kann, dass der Barock eine unglaublich starke Musik hervorgebracht hat, die die Emotionen wunderbar unterstreicht und eben auch sehr heutig ist. Auf dem Bass vertikal basierend ist der Grundaufbau vergleichbar mit heutiger E-Musik – wichtig ist mir dabei besonders die rhythmische Gestaltung der Barockmusik, die von vielen Tanzstücken der damaligen Zeit hergeleitet wird, und eine Aufführung im Stile der Praxis der damaligen Musik, die gerade das hervorhebt.

Barock meets Rock – wie kann man sich diese Kombination vorstellen?

Cornelia von Kerssenbrock: Wesentliches Element der Barockmusik ist die Rhythmik, die wir verstärken und so eine Überleitung zu heutigen Rhythmen schaffen. Das hat auch eine Dramatisierung des Werkes durch die Musik zur Folge: Die Rockmusik, die wir in “Rinaldo” verwenden, verdeutlicht die Schrecken des Kriegs, aber auch die inneren Kämpfe der Protagonisten.

In den letzten Jahren wurden die BaRock-Opern mit Elementen aus Elektroakustik und Jazz verknüpft, “Rinaldo” wird nun mit Rockmusik angereichert.

Cornelia von Kerssenbrock: Wobei der Eindruck falsch wäre, dass wir Händels Oper durch bereits vorhandene Rocksongs unterbrechen. Rockfans werden sicher Anlehnungen an Bands wie AC/DC, Pink Floyd oder auch an die Rolling Stones entdecken. Im Probenverlauf improvisieren wir allerdings mit einer kleinen Rockband, die die moderne Musik immer in den jeweiligen Opernkontext einbettet. Wir hatten ja auch in den Vorjahren Übergänge – oftmals im “da capo” einer Arie -, in denen sich Barock und moderne Rhythmen vermischt haben. Ich halte es für grundlegend falsch, zu sagen: “So, jetzt ist die Barockmusik zu Ende, jetzt fängt die Rockmusik an.” Beim „Immling Ba-Rock“ legen wir Wert auf fließende Übergänge.

Herr Baumann, trotz oder gerade wegen des ernsten Hintergrunds in Händels “Rinaldo” – blutigen Kreuzzügen – haben Sie einige situationskomische Elemente in Ihre Inszenierung eingebaut. Wie fügen sich diese in das Gesamtkonzept ein?

Ludwig Baumann: Ich habe meine eigene Einstellung zum Krieg und bin der Meinung, dass sich einige große kriegstreibenden Herrscher in der Vergangenheit wie auch jetzt eher als Witzfiguren präsentieren. Dies lässt sich auch künstlerisch aufgreifen, wie es beispielsweise  Charlie Chaplin als “Der große Diktator” gezeigt hat.