Don Carlo

LeitungLorenzo Coladonato OrtFestspielhaus
  • Don Carlo (Immling Festival)
    Don Carlo

    Immling Festival 2018

Oper von Giuseppe Verdi

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Im Spannungsfeld von verzehrender Liebe, politischem Kalkül und religiösem Fanatismus wird der spanische Königssohn Don Carlo bis zur persönlichen Selbstaufgabe zum Fürsprecher, Kämpfer und Hoffnungsträger für das unterdrückte Flandern. Die opulente Oper nach Friedrich Schillers gleichnamigem Drama gilt als Schlüsselwerk in Verdis musikalischem Schaffen.

Musikalische Leitung: Lorenzo Coladonato
Inszenierung: Stefano Simone Pintor
Bühnenbild: Stefano Simone Pintor, Walter Ulrich
Kostüme: Kerstin Rossbander
Videodesign: Maximilian Ulrich
Lichtdesign: Arndt Sellentin
Dramaturgie: Florian Maier

Filippo II.: Oleksandr Pushniak
Don Carlo: Héctor López
Rodrigo: Sławomir Kowalewski
Der Großinquisitor: Gelu Dobrea
Ein Mönch: Givi Gigineishvili
Elisabetta di Valois: Anna Patrys
Die Prinzessin Eboli: Kate Allen
Tebaldo: Anastasia Churakova
Stimme vom Himmel: Keiko Obai
Die Gräfin vom Aremberg: Sabine Lutter
Der Graf von Lerma: Le Wang
Ein königlicher Herold: Aliahmad Ibrahimov
Flandrische Deputierte: Beka Abulashvili, Mikheil Edisherashvili, Alois Fürmaier, Givi Gigineishvili, Zurabi Natroshvili, Bartosz Szulc

Festivalchor Immling, Festivalorchester Immling

Spieldauer: 3 h (inkl. ca. 30 min Pause)

Wegen Erkrankung übernimmt Lorenzo Coladonato die Musikalische Leitung von “Don Carlo” anstelle von Cornelia von Kerssenbrock. 

Pressestimmen:

Im Festspielhaus von Immling wird Verdis Grand Opéra zum tragischen Ringen des Einzelnen mit den Abgründen der Macht. Nirgends wird das deutlicher als in der atmosphärisch hochaufgeladenen Begegnung zwischen Filippo II. (Oleksandr Pushniak) und dem Großinquisitor (Gelu Dobrea) im dritten Akt. Während sich der greisenhafte Kirchenmann in seinem unerbittlichen Glauben an die Macht sogar aus dem Rollstuhl erhebt, sinkt die wuchtige Gestalt des Basses Oleksandr Pushniak in sich zusammen. Der König wird hier in seinem aschgrauen Kaftan zum Hausknecht der Inquisition, der dem Machterhalt seine Vernunft ebenso wie seine Freundschaft zu Rodrigo unterwirft. Es ist eines der stärksten Bilder der überaus ambitionierten Inszenierung des Regisseurs Stefano Simone Pintor,die ebenso reduzierte wie eingängige Szenen schafft. Das liegt auch am äußerst gelungenen Bühnenbild. Es besteht aus einer einzigen grauen, eisbergartig aus der Bühne ragenden Projektionsfläche. Der Kampf zwischen Macht und Vernunft kann sich hier in immer neuen Variationen von Licht und Schatten entfalten, unterstützt von einem pfiffigen Farbkonzept, das schon mal den Text unterläuft. Héctor Lopéz als Don Carlo meistert dabei die langen,hoch geschriebenen Phrasen seiner Titelpartie mit der Lässigkeit des Routiniers, der erst zwei Tage zuvor erfahren hatte, einspringen zu müssen.
Thomas Jordan, Süddeutsche Zeitung

Umso glutvoller wirkt Verdis Musik aus der Hand von Lorenzo Coladonato. Der in Mailand ausgebildete Dirigent lockt aus dem Immlinger Festivalorchester einen beachtlich schönen Klang, liefert optimale Tempi und die ideale Balance für die extrem exponierten Solisten. Der Festivalchor Immling gestaltet die großen wie die kleinen Chorszenen musikalisch großartig, blitzsauber auch die Prozessionen der Mönche durch den Zuschauerraum. Der Komplexität des Werkes wird man in Immling in allen Bereichen gerecht [...] gute drei Stunden herrliche Musik in geschmackvoll-schlichter Inszenierung.
Franziska Stürz, BR Klassik

Regisseur Stefano Simone Pintor kennt das Haus von seiner gelungenen Produktion der „I vespri siciliani“ aus dem Vorjahr und beweist mit einem klug balancierten „Don Carlo“ erneut, dass er ein gutes Händchen für Verdi hat. Der Italiener weiß mit der speziellen Raumsituation geschickt umzugehen und versteht es, ohne große Bühnentechnik eindrucksvolle Bilder zu zaubern [...]
Die sängerische Krone des Abends gebührte Kate Allen, die als von Eifersucht und Schuld zerfressene Prinzessin Eboli eine glanzvolle Vorstellung bot und diese mit einem heftig akklamierten „O don fatale“ veredelte. Ähnliche Ovationen bereitete das Publikum dem makellosen Posa von Slawomir Kowalewski. Er verkörperte nicht nur den vertrauenswürdigen Freund, sondern verteidigte im Duett mit dem König, das Pintor als öffentliche Anhörung inszenierte, auch sängerisch seinen Standpunkt.
Tobias Hell, Münchner Merkur

Die Massenszenen fügen sich in wohl ausgearbeiteter Bewegungschoreografie ins Geschehen, zeichnen kraftvolle Bilder einer grauen Masse von Volk oder Mönchen, die immer im richtigen Moment und in passendem Rhythmus, den Szenerien eindrucksvolle Dramatik verleihen. Dazu kunstvoll ausgeklügelte Schattenspiele, sowohl in kleiner, als auch in überdimensionierter Projektion. Auf dem Scheiterhaufen der Inquisition lodern Stühle – Im Labyrinth der Seelen als Metapher zu den der kirchlichen Macht zum Opfer gefallenen Individuen: Ketzer, die das Volk und vor allem die Kirche brennen sehen will. Ein eindrucksvoller Vergleich, der in den Zuschauern Gänsehautschauer auslöste. Die Leistung des Opern-Ensembles war überragend: Tenor Carlo (Hector Lopez), der mit Vehemenz und expressiver Ausgestaltung den Spagat zwischen leidenschaftlicher Liebe und abgrundtiefer Verachtung schafft. Stimmlich immer auf dem Punkt. Der brillante Bass Filippo II. (Oleksandr Pushniak) schwankt zwischen quälendem Misstrauen und verzweifelter Einsamkeit. Sopranistin Elisabetta (Anna Patrys) – stimmgewaltig, strahlend, mit großer empathischer Gabe.
Kirsten Benekam, PNP / Regionalausgaben

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